Microsoft Ads: LinkedIn-Firmenlisten jetzt mit 10.000 Unternehmen
Microsoft Advertising erweitert eine seiner interessantesten B2B-Funktionen deutlich: LinkedIn Company Lists können jetzt bis zu 10.000 Unternehmen enthalten – bisher waren es 1.000. Für B2B-Werbetreibende ist das weniger eine kosmetische Produktänderung als eine praktische Skalierungsgrenze, die wegfällt.
Wer mit einer umfangreichen Target-Account-Liste arbeitet, musste grössere ABM-Programme bislang auf mehrere Listen verteilen oder die Auswahl stark reduzieren. Jetzt kann beispielsweise eine Liste mit mehreren Tausend strategischen Zielunternehmen direkt in Microsoft Advertising genutzt und mit LinkedIn-Profil-Targeting in Search- und Audience-Kampagnen kombiniert werden.
Das macht Microsoft Advertising vor allem für B2B-Teams interessanter, die Paid Search nicht nur nach Suchbegriffen, sondern zusätzlich nach Unternehmenszugehörigkeit steuern wollen.
Was Microsoft konkret geändert hat
Microsoft hat die maximale Grösse einer LinkedIn Company List von 1.000 auf 10.000 Unternehmensnamen erhöht. Die Unternehmen lassen sich gesammelt während der Kampagnenerstellung oder über die Audience Library hinzufügen. Anschliessend können die Listen mit LinkedIn Profile Targeting in Search- und Audience-Kampagnen eingesetzt werden.
Laut Microsoft ist die Funktion global in den unterstützten Märkten verfügbar. Microsoft nennt als Beispiel ein B2B-Softwareunternehmen mit 8.000 Target Accounts, das diese Unternehmen nun in einer einzigen Liste bündeln und Personen aus diesen Firmen mit einem Demo-Angebot ansprechen kann.
Das zugrunde liegende LinkedIn Profile Targeting ist eine Besonderheit von Microsoft Advertising. Microsoft beschreibt dabei unter anderem Unternehmen, Branche und Job Function als nutzbare Profildimensionen. In der veröffentlichten Feature-Übersicht zählt auch die Schweiz zu den unterstützten EMEA-Märkten.
Der praktische Nutzen: Search wird näher an Account-Based Marketing
Für klassische Search-Kampagnen beginnt die Zielgruppenauswahl meist beim Suchbegriff. Im B2B-Bereich ist aber häufig ebenso wichtig, wer sucht.
Ein generischer Suchbegriff wie „contact center software”, „ERP migration” oder „cyber security consulting” kann sowohl von einem kleinen Unternehmen als auch von einem strategisch relevanten Grosskunden kommen. Mit LinkedIn-Unternehmenssignalen lässt sich diese zusätzliche Information in die Kampagnensteuerung einbeziehen.
Die Erweiterung auf 10.000 Unternehmen verändert dabei vor allem die operative Skalierbarkeit. Eine umfangreiche CRM- oder Sales-Liste muss nicht mehr allein wegen des bisherigen Limits in zahlreiche kleinere Microsoft-Advertising-Listen zerlegt werden.
Für PPC-Teams kann das drei konkrete Vorteile bringen:
Erstens wird die Struktur einfacher. Ein grösseres ABM-Segment kann in einer Liste verwaltet werden, statt künstlich nach dem technischen 1.000er-Limit aufgeteilt zu werden.
Zweitens lassen sich Paid Search und die Account-Prioritäten des Vertriebs enger miteinander verbinden. Statt nur allgemeine B2B-Zielgruppen zu verwenden, können definierte Target Accounts als zusätzliches Signal dienen.
Drittens wird eine systematischere Auswertung möglich. Unternehmen können beispielsweise unterschiedliche Listen für strategische Accounts, Wachstumsaccounts oder bestimmte Vertriebssegmente aufbauen und deren Performance getrennt beobachten.
10.000 Unternehmen bedeuten nicht automatisch gutes Targeting
Das höhere Limit ist kein Argument dafür, möglichst viele Firmennamen hochzuladen. Eine grosse Liste ist nur dann hilfreich, wenn die darin enthaltenen Unternehmen tatsächlich eine sinnvolle gemeinsame Zielgruppe bilden.
Für die Kampagnenpraxis bleibt deshalb die Segmentierungslogik entscheidend. Ein Unternehmen mit 8.000 Zielaccounts sollte prüfen, ob alle Accounts dasselbe Angebot, dieselbe Landingpage und dieselbe Gebotslogik rechtfertigen.
Oft dürfte es sinnvoller sein, mehrere fachlich definierte Listen zu führen – beispielsweise nach Marktsegment, Produktinteresse, Account-Priorität oder Vertriebsregion – auch wenn technisch nun 10.000 Unternehmen in eine einzelne Liste passen.
Ebenso wichtig: LinkedIn-Profilinformationen sind ein Targeting-Signal, kein Ersatz für saubere Conversion-Daten. Für die Optimierung sollte weiterhin gemessen werden, ob aus den erreichten Accounts tatsächlich qualifizierte Leads, Opportunities und Umsatz entstehen.
Ein sinnvoller Testaufbau
Für B2B-Werbetreibende bietet sich ein kontrollierter Test an. Ausgangspunkt sollte eine bestehende Search-Kampagne mit ausreichendem Conversion-Volumen sein. Anschliessend lässt sich eine fachlich klar definierte Target-Account-Liste aus CRM oder Vertrieb in Microsoft Advertising übertragen.
Wichtig ist, vor dem Test festzulegen, welche Kennzahl den Erfolg bestimmt. Bei B2B-Kampagnen ist ein niedriger CPL allein häufig wenig aussagekräftig. Relevanter können qualifizierte Leads, Opportunity Rate, Pipeline Value oder abgeschlossene Deals sein.
Gerade hier passt die Neuerung zu einer breiteren Entwicklung im Paid Search: Kampagnensteuerung rückt näher an CRM- und Down-Funnel-Daten. Microsoft hat Ende September zudem eine HubSpot-Integration vorgestellt, über die qualifizierte Lead- und Conversion-Daten zurück an Microsoft Advertising übertragen werden können. Damit lässt sich Account-Auswahl auf der Targeting-Seite mit tieferen Funnel-Signalen auf der Optimierungsseite verbinden.
Was DACH-Teams jetzt prüfen sollten
B2B-Werbetreibende mit Microsoft-Advertising-Konten sollten zunächst klären, ob im Unternehmen bereits strukturierte Target-Account-Listen existieren. Häufig liegen diese Daten bereits in Salesforce, HubSpot oder einem anderen CRM, werden aber im Paid Search bislang nicht systematisch genutzt.
Danach lohnt sich die Frage, welche Segmente gross genug für einen belastbaren Test sind und gleichzeitig homogen genug bleiben, um Anzeigen, Landingpages und Gebote sinnvoll darauf auszurichten.
Für Schweizer Werbetreibende ist besonders relevant, dass Microsoft die Schweiz in seiner Feature-Übersicht als unterstützten Markt für LinkedIn Profile Targeting aufführt. Damit ist die Funktion nicht nur ein US-spezifisches B2B-Instrument.
Wer parallel Microsoft AI Max einsetzt oder Kampagnen aus Google Ads importiert, sollte ausserdem die Automatisierung und die Audience-Strategie getrennt betrachten. AI Max erweitert Matching, Creative und URL-Auswahl; Company Lists beantworten dagegen die andere Frage: Welche Unternehmen sollen für die B2B-Strategie besonders relevant sein?
Fazit
Die Erhöhung von 1.000 auf 10.000 Unternehmen ist vor allem für grössere B2B-Programme relevant. Sie beseitigt eine praktische Begrenzung, die umfangreiche Account-Based-Marketing-Listen bisher unnötig fragmentieren konnte.
Der eigentliche Mehrwert entsteht aber nicht durch die grössere Zahl. Er entsteht, wenn PPC-Teams die Target-Account-Logik aus Vertrieb und CRM sauber mit Search-Kampagnen verbinden und den Erfolg anhand von Lead-Qualität, Pipeline und Umsatz statt nur anhand oberflächlicher Conversion-Mengen bewerten.