Schweizer SEA- & Performance-Wissen
Von Lukas Plewnia, Zürich
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Ziel-CPA und Ziel-ROAS: Warum das gesetzte Target seit August 2026 wirklich zählt

LP
Lukas Plewnia
• • 7 Min. Lesezeit

Ein Ziel-CPA war in Google Ads lange nicht das, was der Name verspricht. Kampagnen mit dem Status «Durch Budget begrenzt» konnten ihren Zielwert deutlich unterbieten oder einen höheren ROAS erzielen als eingestellt, weil das Budget die Auslieferung stärker bremste als das Ziel. Seit dem 17. August 2026 ist das anders: Google optimiert solche Kampagnen konsequenter auf den Wert, der tatsächlich im Konto steht. Für SEA-Teams ist das keine kosmetische Anpassung. Ein grosszügig gesetzter Ziel-CPA bestimmt jetzt sehr viel direkter, welchen Preis Google pro Conversion ansteuert.

Was Google konkret geändert hat

Google hat das Verhalten zielbasierter Gebotsstrategien für budgetlimitierte Kampagnen weltweit umgestellt. Der Rollout begann am 17. August 2026 und war laut Googles FAQ zur Umstellung am 27. August 2026 abgeschlossen. Betroffen sind Ziel-CPA und Ziel-ROAS in Such-, Shopping-, Performance-Max-, Demand-Gen- und Travel-Kampagnen; bei Demand Gen zusätzlich Ziel-CPC. Display- und Hotelkampagnen hatten das neue Verhalten laut Google bereits vorher. Nicht betroffen sind App-Kampagnen, Video-Reach- und Video-View-Kampagnen sowie Strategien ohne Zielwert wie manueller CPC und «Angestrebter Anteil an möglichen Impressionen».

Der entscheidende Punkt: Eine budgetlimitierte Kampagne optimiert jetzt konsistent in Richtung des eingestellten Targets, auch wenn sie historisch deutlich besser als dieses Target gelaufen ist. Google nennt in der Hilfe zur Änderung selbst ein Beispiel: Liegt der Ziel-CPA bei 10 Dollar, der tatsächliche CPA zuletzt aber bei 5 Dollar, liefert die Kampagne mit der neuen Logik näher an einem tatsächlichen CPA von 10 Dollar.

Drei Klarstellungen aus derselben Quelle gehören dazu, weil sie die häufigsten Fehldeutungen vermeiden:

  • Das Budgetlimit bleibt respektiert. Die Änderung erhöht die Ausgaben nicht direkt. Sie verschiebt, wofür das vorhandene Budget eingesetzt wird.
  • Kampagnen ohne Budgetbegrenzung sind nicht betroffen. Wer sein Tagesbudget nie ausschöpft, sieht keine neue Logik.
  • An der Auktion selbst ändert sich nichts. Es geht ausschliesslich darum, wie aggressiv die Strategie den Spielraum zwischen tatsächlichem und gesetztem Ziel ausnutzt.

Warum eine budgetlimitierte Kampagne ihr Ziel bisher übertroffen hat

Die folgende Herleitung ist meine fachliche Einordnung, keine Google-Aussage. Google beschreibt das neue Verhalten, aber nicht die Mechanik dahinter.

Eine zielbasierte Strategie versucht, so viele Conversions wie möglich zum gesetzten Ziel einzukaufen. Ist das Budget knapp, kann sie nur einen Teil der verfügbaren Auktionen mitnehmen und wählt naheliegenderweise die mit der besten erwarteten Conversion-Rate zum tiefsten Preis. Das Ergebnis sah auf dem Papier hervorragend aus: ein CPA unter Ziel, ein ROAS über Ziel. Gleichzeitig blieb Nachfrage liegen, die zum eingestellten Ziel durchaus rentabel gewesen wäre.

Genau diesen Spielraum nutzt die Strategie jetzt. Sie bietet aggressiver, gewinnt teurere Auktionen und kauft mehr Conversions ein, zu einem CPA, der näher am Ziel liegt. Ob das für dein Konto besser oder schlechter ist, entscheidet nicht Google, sondern die Frage, ob dein Zielwert je eine betriebswirtschaftliche Grösse war.

Warum das für PPC-Teams heikel ist

Viele Konten tragen Targets mit sich herum, die irgendwann als Obergrenze, Richtwert oder Sicherheitspuffer definiert wurden. Solange das Budget knapp war, hatte dieser Wert nicht die operative Wirkung, die sein Name nahelegt. Jetzt kann ein historisch lockeres Target zum echten Effizienzanker werden: Die Kampagne bewegt sich auf einen Wert zu, den niemand mehr bewusst vertreten würde.

Besonders gross ist das Problem, wenn Plattform-CPA und Business-CPA nicht dasselbe bedeuten. Rechne es an einer beliebigen Zahl durch: Ein Formular-Lead für 60 Franken wirkt günstig, wenn nur jeder dritte Lead qualifiziert ist, kostet ein brauchbarer Lead aber 180 Franken. Wird das Gebotsziel auf Basis des Formular-CPA gesetzt, optimiert Google auf das messbare Ereignis, nicht auf den wirtschaftlichen Wert dahinter. Und seit August tut es das konsequenter als vorher.

Zwei Hebel, die nicht mehr dasselbe bewirken

In budgetlimitierten Kampagnen waren «Budget erhöhen» und «Ziel lockern» in der Praxis fast austauschbar: Beides brachte mehr Volumen, weil das Budget ohnehin der Engpass war und das Ziel selten griff. Das gilt so nicht mehr.

Was du willstWas du drehstWas du nicht drehen solltest
Mehr Conversions zum bisherigen, tatsächlich erreichten CPAZiel auf den real erreichten Wert senken, dann Budget erhöhenNur das Budget erhöhen, solange das Ziel deutlich über dem Ist liegt
Mehr Volumen, und ein höherer CPA ist wirtschaftlich tragbarBudget erhöhen, Ziel unverändert lassenZiel zusätzlich lockern, sonst verschiebst du zwei Dinge gleichzeitig
Effizienz sichern, Volumen ist zweitrangigZiel auf den wirtschaftlich tragbaren Wert setzenBudget kürzen als Ersatz für ein sauber hergeleitetes Ziel

Google stellt seit dem 6. Juli 2026 ein Bid Target Adjustment Tool bereit, erreichbar über das Benachrichtigungsbanner im Konto oder die Gebotseinstellungen der Kampagne; es zeigt die bisherige Leistung gegenüber dem Ziel und bietet an, das Ziel an die jüngste Performance anzugleichen. Die Empfehlung ist ein Ausgangspunkt, keine Entscheidung. Wer einfach den CPA der letzten 30 Tage als neues Ziel übernimmt, konserviert ein kurzfristiges Marktfenster und kann die Skalierung unnötig abwürgen. Wer umgekehrt den alten, lockeren Wert stehen lässt, gibt Google mehr Spielraum, als das Unternehmen bezahlen möchte.

Der richtige Audit ist nicht «Target gegen CPA»

Die sinnvolle Prüfung hat mindestens vier Ebenen, und erst wenn sie zusammenpassen, ist ein Target belastbar:

  1. Der eingestellte Zielwert: Ziel-CPA oder Ziel-ROAS, wie er heute in der Kampagne steht.
  2. Der tatsächlich erzielte Plattformwert: CPA oder ROAS laut Google Ads, idealerweise im Vergleich Juni/Juli gegen September, mit einer Übergangsphase von zwei Wochen nach dem 17. August, die du aus dem Vergleich herausnimmst.
  3. Kosten pro qualifiziertem Lead beziehungsweise der reale Conversion-Wert aus CRM oder Shop-System.
  4. Der wirtschaftlich maximal tragbare Wert aus Deckungsbeitrag, Abschlussquote und Wiederkaufwert.

Zwei Spalten gehören in jeden dieser Vergleiche: der Anteil an entgangenen Impressionen wegen Budget und das Conversion-Volumen. Ein gestiegener CPA bei deutlich mehr Conversions ist kein Schaden, sondern die von Google beschriebene Wirkung. Ein gestiegener CPA ohne Volumenzuwachs ist etwas anderes und verdient einen genaueren Blick. Wie sich die beiden Verlustspalten des Impression Share lesen und warum sie entgegengesetzte Massnahmen verlangen, steht im Beitrag zum Impression Share.

Was sich bei Performance Max und Demand Gen zusätzlich verändert

Bei Kampagnen über mehrere Inventare kommt ein zweiter Effekt hinzu, den Google in der FAQ selbst nennt: Wenn die Strategie stärker auf das gesetzte Ziel optimiert, kann sich die Verteilung des Budgets zwischen den Kanälen verschieben. Ein stabiler Gesamt-CPA bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Qualität unverändert bleibt. Mehr günstige Conversions aus einem anderen Kanal können den Plattformwert halten, obwohl der Anteil hochwertiger Leads sinkt.

Für Lead-Generierung sollte die Kontrolle deshalb nicht bei Spend, Conversions und CPA enden. Relevant sind zusätzlich die Qualified-Lead-Rate, der CPA pro qualifiziertem Lead, der Conversion-Lag und, soweit die Berichte es hergeben, die Veränderung des Kanal- oder Placement-Mix.

Was SEA-Teams jetzt tun sollten

  • Alle Kampagnen filtern, die «Durch Budget begrenzt» sind und Ziel-CPA, Ziel-ROAS oder in Demand Gen Ziel-CPC verwenden.
  • Für jede davon die vier Ebenen oben nebeneinanderlegen und prüfen, ob das eingestellte Target noch den aktuellen Geschäftszielen entspricht.
  • Änderungen isolieren: entweder Ziel oder Budget anpassen, nicht beides gleichzeitig, und Conversion-Setup und Kampagnenstruktur in dieser Phase unverändert lassen. Sonst lässt sich später nicht mehr erkennen, welcher Faktor die Performance verschoben hat.
  • Nach einer Anpassung ein bis zwei Conversion-Zyklen abwarten, bevor du bewertest. Google rät ausdrücklich davon ab, allein wegen dieser Umstellung Datenausschlüsse oder Gebotslimits einzuführen.
  • Bei Brand-Kampagnen, die ohnehin maximal ausgespielt werden, prüfen, ob ein zielbasiertes Bidding überhaupt das richtige Werkzeug ist. Warum dort der manuelle CPC oft die bessere Wahl bleibt, steht im Beitrag zu manuellen Gebotsstrategien.

Fazit

Die Änderung macht zielbasiertes Bidding nicht schlechter, aber verbindlicher. Ein Ziel-CPA ist kein loses Sicherheitsnetz mehr, das Google bei knappem Budget ohnehin deutlich unterbietet, sondern die Aussage «so viel darf mich eine Conversion kosten», und Google nimmt dich beim Wort. Wer seine Targets nicht regelmässig gegen Lead-Qualität und Business-Value prüft, kann künftig für dieselben Plattform-Conversions spürbar mehr bezahlen, ohne dass sich an Budget oder Kampagnenstruktur sichtbar etwas geändert hat.

Zuletzt aktualisiert: 29. Sept. 2026