Bid Stacking modifiziert für bessere CPC Optimierungen
Stell dir vor, du hast mehrere tausend Keywords im Konto und kämpfst jeden Tag darum, sie unter Kontrolle zu halten. 2017 war das die Ausgangslage fast jedes grösseren Suchkontos, und Bid Stacking war eine der Antworten darauf: eine Struktur, die dafür sorgt, dass ein exaktes Keyword auch wirklich den exakten Suchbegriff bekommt – und nicht sein Phrase- oder Broad-Modified-Zwilling mit dem falschen Gebot.
Die Technik habe ich damals für meine Bedürfnisse angepasst und unten beschrieben. Heute ist ein grosser Teil des Problems, das sie löste, von Google selbst gelöst worden. Was geblieben ist, ist die Frage dahinter: Wie behältst du Kontrolle über Gebote, wenn du sie nicht mehr selbst setzt?
Aktualisiert im September 2026. Der ursprüngliche Text bezog sich auf AdWords (seit Juli 2018 Google Ads), auf den Match Type Broad Match Modifier (abgeschafft Juli 2021), auf die beschleunigte Anzeigenauslieferung (für Suchkampagnen 2019 entfernt) sowie auf die Bid-Management-Tools Kenshoo (heute Skai) und DoubleClick Search (heute Search Ads 360).
Das Problem von 2017: Der falsche Match Type gewinnt die Auktion
Bid Stacking basierte auf manuellen CPCs in Verbindung mit Match Types. Die Idee: Für jedes Keyword-Cluster bietest du auf Exact am höchsten, auf Phrase tiefer, auf Broad Modified am tiefsten. So sollte der genaue Suchbegriff über das exakte Keyword laufen und die Variationen über die weiteren Match Types.
Das funktionierte nur in der Theorie, denn es liess kein Spiel mit den CPCs zu. Senkte ich den Exact-CPC im Rahmen einer Optimierung, konnte plötzlich das Broad-Modified-Keyword die Auktion gewinnen – mit seinem generischen Anzeigentext und seiner unpassenden Landingpage. Die Gebotsstruktur war der einzige Mechanismus, der die Zuordnung steuerte, und jede Änderung an den Geboten gefährdete sie.
Meine Anpassung: Segmentierung statt Gebotsleiter
Deshalb baute ich für jedes Keyword-Cluster genau drei Anzeigengruppen – Broad Modified, Phrase und Exact – und sicherte die Zuordnung über negative Keywords ab: In der Phrase-Anzeigengruppe negativierte ich die Exact-Keywords, in der Broad-Modified-Anzeigengruppe die Exact- und Phrase-Keywords. Damit war die Zuordnung strukturell erzwungen, nicht nur über das Gebot, und ich konnte die CPCs frei optimieren.
Wer es auf die Spitze treiben wollte, zog die Exact-Anzeigengruppe in eine eigene Kampagne. Das brachte ein eigenes Budget und eigene Kampagneneinstellungen für die wichtigsten Keywords.
Die Nachteile habe ich damals schon benannt, und sie sind der Grund, warum die Methode heute niemand mehr nachbauen sollte:
- Das Konto wird mit vielen Kampagnen und Anzeigengruppen schnell komplex und fehleranfällig.
- Jedes neue Exact-Keyword muss in zwei weiteren Anzeigengruppen negativiert werden – ein Pflegeaufwand, der mit dem Konto wächst.
- Die starke Segmentierung verteilt die Daten auf viele kleine Einheiten. Für Gebotsanpassungen nach Gerät oder Tageszeit reichten schon 2017 «einige hundert Impressions und wenige Klicks» nicht aus.
Der letzte Punkt ist der entscheidende. Genau diese Datenfragmentierung ist es, die Smart Bidding heute lähmt.
Was Google seither selbst gelöst hat
Die Priorisierung identischer Exact-Keywords. Google hat die Regeln, nach denen ein Keyword in die Auktion geschickt wird, offengelegt und angepasst: Existiert im Konto ein aktives Exact-Keyword, das mit dem Suchbegriff identisch ist (Tippfehler inklusive, Synonyme nicht), hat es Vorrang vor jedem Phrase- oder Broad-Keyword – und auch vor Performance Max. Das war der Kernzweck meiner Negativ-Kaskade. Für identische Suchanfragen brauchst du sie nicht mehr.
Broad Match Modifier ist weg. Seit Juli 2021 gibt es die dritte Stufe der Gebotsleiter nicht mehr; Phrase Match hat ihre Reichweite übernommen. Eine Drei-Stufen-Struktur lässt sich gar nicht mehr abbilden.
Smart Bidding bietet pro Auktion, nicht pro Keyword. Bei Ziel-CPA oder Ziel-ROAS ist der CPC kein Steuerungsinstrument mehr, sondern ein Ergebnis. Das Gebot wird pro Suchanfrage, Gerät, Standort und Nutzersignal berechnet. Eine manuelle Gebotsleiter über Match Types wäre nicht nur unnötig, sie widerspräche dem System: Du würdest dem Algorithmus Grenzen setzen, die er mit besseren Daten selbst zieht.
Nicht aufgelöst ist das Problem für nicht-identische Suchanfragen. Wenn kein Exact-Keyword identisch mit der Anfrage ist, entscheidet Google zwischen deinen Phrase- und Broad-Keywords nach Relevanz und Ad Rank. Liegen sie in verschiedenen Kampagnen mit verschiedenen Zielen, kann eine Anfrage in der «falschen» Kampagne landen. Das ist der Rest des alten Problems – und der Grund, warum die Kampagnenaufteilung nach Absicht weiterhin zählt.
Was von der Idee bleibt: Kontrolle über Signale, nicht über Gebote
Die Frage, die Bid Stacking beantworten wollte, ist geblieben: Wie sorgst du dafür, dass die wichtigsten Suchanfragen mit dem richtigen Anzeigentext, der richtigen Landingpage und dem richtigen Zielwert bedient werden? Die Antwort hat sich verschoben – von der Gebotsebene auf die Ebene der Signale, die du dem System gibst.
| 2017: Bid Stacking | Heute: dasselbe Ziel, andere Mittel |
|---|---|
| Gebotsleiter über Match Types | Ein Ziel-CPA oder Ziel-ROAS pro Kampagne, die Gebote setzt das System pro Auktion |
| Negative Keywords zwischen Anzeigengruppen | Priorisierung identischer Exact-Keywords durch Google; Negativ-Listen nur noch für unerwünschte Themen |
| Exact-Kampagne mit eigenem Budget | Kampagnentrennung nach Absicht und Zielwert: Brand, Product, Generic mit je eigenem Ziel |
| Beschleunigte Auslieferung für Top-Keywords | Nicht mehr verfügbar; Budget steuert über Kampagnentrennung und Portfolio-Strategien |
| Manuelle CPC-Optimierung | Optimierung der Conversion-Werte, die dem Algorithmus als Zielgrösse dienen |
Konkret heisst das: Statt drei Anzeigengruppen pro Cluster baust du eine, mit den Match Types, die du brauchst, und genügend Volumen, damit die Gebotssteuerung lernt. Statt Exact-Keywords in Phrase-Gruppen zu negativieren, vertraust du auf die Priorisierungsregel und prüfst sie im Suchbegriffe-Bericht. Und statt Gebote zu stapeln, trennst du Kampagnen dort, wo sich der Zielwert unterscheidet – die eigene Marke hat einen anderen Ziel-CPA als generische Anfragen, und beides gehört nicht in dieselbe Gebotsstrategie.
Wo die alte Logik noch sinnvoll ist
Meine Empfehlung von 2017 lautete, die Segmentierung nur für die wichtigsten Keywords einzusetzen – meist Brand, hin und wieder Product. Das gilt in abgewandelter Form weiter. Die eigene Marke gehört in eine eigene Kampagne mit Exact- und Phrase-Keywords, engen Negativ-Listen und einer eigenen Gebotsstrategie, und sie gehört per Brand Exclusion aus allen generischen Kampagnen heraus. Warum, steht im Beitrag zu Brand Keywords absichern. Das ist kein Bid Stacking mehr, aber es ist dieselbe Haltung: Was am meisten Umsatz bringt, bekommt die meiste Kontrolle.
Für alles andere gilt: Die Komplexität, die ich 2017 bewusst in Kauf nahm, um Steuerungsfähigkeit zu gewinnen, kostet heute genau diese Steuerungsfähigkeit – weil sie dem lernenden System die Daten entzieht. Wie eine Kontostruktur aussieht, die beides zusammenbringt, steht im Beitrag zur richtigen Struktur des Google-Ads-Kontos.