Schweizer SEA- & Performance-Wissen
Von Lukas Plewnia, Zürich
Marketing Grundlagen

Agentur oder Freelancer: Die optimale Wahl für KMUs und Start-ups im Online-Marketing

LP
Lukas Plewnia
5 Min. Lesezeit

Früher oder später steht jedes KMU und jedes Start-up vor der Frage: Geben wir das Online-Marketing einer Agentur, oder arbeiten wir mit einer Freelancerin oder einem Freelancer? Die Antwort hat Folgen für Kosten, Tempo, Qualität und dafür, wie viel Wissen am Ende im eigenen Haus bleibt. Und sie fällt anders aus, je nachdem, was du brauchst – eine Person, die Google Ads beherrscht, oder ein Team, das SEO, Social, Content und Paid zusammen denkt.

Ich arbeite selbst auf beiden Seiten dieser Frage, als Freelancer und in Zusammenarbeit mit Agenturen. Der Text unten ist deshalb kein Plädoyer, sondern der Versuch, die Unterschiede so zu beschreiben, dass du sie an deiner Situation prüfen kannst.

Aktualisiert im September 2026. Anrede und Struktur überarbeitet. Die ursprüngliche Fassung enthielt zwei anonyme Fallbeispiele ohne Quelle; sie sind entfernt. Neu ist die Checkliste am Ende.

Was eine Agentur mitbringt

Breite. Eine Agentur hat Leute für SEO, Content, Social Media, Paid Search, Display, Analytics. Wenn deine Aufgabe über mehrere Kanäle geht und die Kanäle zusammenspielen müssen, bekommst du das an einem Ort – mit einem Ansprechpartner, der die Koordination übernimmt.

Prozesse und Skalierbarkeit. Agenturen haben Abläufe für Briefing, Reporting, Freigaben und Qualitätssicherung. Wenn eine Kampagne grösser wird, kommen Leute dazu, ohne dass du selbst Kapazität aufbauen musst. Fällt jemand aus, übernimmt jemand anderes.

Werkzeuge und Zugänge. Bid-Management, Reporting-Plattformen, DSP-Zugänge, Verifizierungs-Tools – vieles davon rechnet sich erst ab einem Volumen, das ein einzelnes KMU nicht hat. Eine Agentur verteilt die Kosten auf viele Kunden.

Der Preis dafür ist Overhead: Account Management, Meetings, Abstimmungsschleifen. Ein Teil deines Honorars bezahlt die Struktur, nicht die Arbeit an deinem Konto. Und die Person, die dein Konto tatsächlich betreut, ist selten die, mit der du den Vertrag verhandelt hast.

Was ein Freelancer mitbringt

Tiefe. Gute Freelancer sind auf ein Feld spezialisiert – Google Ads, SEO, Tracking – und darin oft besser als die Generalisten in einer Agentur, weil sie nichts anderes machen. Für eine klar umrissene Aufgabe ist das genau das Richtige.

Nähe. Du arbeitest mit der Person, die die Arbeit macht. Kein Zwischenglied, kurze Wege, direkte Antworten. Ein Freelancer kennt dein Geschäft nach drei Monaten oft besser als ein Agentur-Team nach einem Jahr, weil dieselbe Person dranbleibt.

Kosten. Ohne Büro, Vertrieb und Account Management ist der Stundensatz meist tiefer als der einer Agentur – bei vergleichbarer oder höherer Qualität in der Spezialdisziplin.

Der Preis dafür ist das Ausfallrisiko: Eine Person, die krank wird, in die Ferien geht oder das Mandat abgibt, hinterlässt eine Lücke, die niemand automatisch füllt. Und wer mehrere Freelancer für mehrere Kanäle beschäftigt, macht die Koordination selbst – oder bezahlt jemanden dafür.

Die eigentliche Frage: Was brauchst du?

Die Entscheidung hängt weniger von Agentur oder Freelancer ab als von vier Dingen:

KriteriumSpricht für AgenturSpricht für Freelancer
UmfangMehrere Kanäle, die zusammenspielen müssenEin Kanal, klar abgegrenzt
KoordinationDu willst einen Ansprechpartner für allesDu steuerst selbst oder hast intern jemanden dafür
KontinuitätAusfallsicherheit ist dir wichtigDu kannst mit Vertretungslücken umgehen
BudgetGenug, um Overhead mitzutragenJeder Franken soll in die Arbeit fliessen

Dazu kommt eine Frage, die oft vergessen geht: Wo soll das Wissen am Ende liegen? Ein Freelancer, der eng mit dir arbeitet, überträgt viel davon in dein Unternehmen – du verstehst nach einem Jahr, wie dein Konto funktioniert. Eine Agentur hält das Wissen eher bei sich; das ist bequemer, macht dich aber abhängiger. Für Start-ups, die Marketing später intern aufbauen wollen, ist das ein Argument für den Freelancer. Für KMUs, die es dauerhaft auslagern wollen, für die Agentur.

Woran du gute Partner erkennst – auf beiden Seiten

  • Sie fragen nach deinen Zahlen, bevor sie eine Strategie vorschlagen. Wer ohne Blick ins Konto und in die Margen ein Angebot macht, verkauft eine Schablone.
  • Sie sagen dir, was nicht funktionieren wird. Ein Partner, der jedem Wunsch zustimmt, optimiert auf das Mandat, nicht auf dein Ergebnis.
  • Der Zugang gehört dir. Google-Ads-Konto, Analytics, Tag Manager laufen auf deinem Namen; der Partner bekommt Zugriff. Wer das anders will, baut eine Abhängigkeit.
  • Reporting zeigt Geschäftszahlen, nicht Klicks. Kosten pro Abschluss, Umsatz, Neukunden – was ein Report stattdessen leisten muss, steht im Beitrag zu Google-Ads-Reports.
  • Sie können erklären, was sie tun. Wenn du nach einem Jahr nicht besser verstehst, wie Google Ads funktioniert, hat der Partner sein Wissen für sich behalten.

Fazit

Agenturen bieten Breite, Struktur und Ausfallsicherheit; Freelancer bieten Tiefe, Nähe und einen Stundensatz, der in die Arbeit fliesst. Keines der beiden Modelle ist besser – aber eines passt besser zu dem, was du gerade brauchst. Ein KMU mit einem Google-Ads-Konto und klaren Zielen ist bei einem spezialisierten Freelancer meist besser aufgehoben. Ein Unternehmen, das fünf Kanäle orchestrieren will und niemanden hat, der das intern koordiniert, braucht eine Agentur. Und viele fahren am besten mit einer Mischung: ein Freelancer für den Kanal, der am meisten Umsatz bringt, eine Agentur für den Rest.

Zuletzt aktualisiert: 01. Sept. 2026